8 Ampeln stehen auf Grün

Um zu zeigen, wie weit die Provenienzforschung bei Werken aus der Sammlung ist, nutzt das Wuppertaler Museum ein Ampelsystem

Das Ampelsystem zeigt den Besucherinnen und Besuchern, wie weit die Forschungen nach der Herkunft bestimmter Gemälde sind. Wurden sie vor 1933 gekauft oder könnte es sich um Raubkunst handeln? Wem gehörten die Arbeiten vor dem Nationalsozialismus, und wie gelangten sie in die Sammlung des Von der Heydt-Museums?

Bei der Provenienz-Ampel gibt es im Gegensatz zu jener im Straßenverkehr 4 Farben: Grün bedeutet, die Herkunft ist unbelastet, Gelb steht für eine ungeklärte Herkunft, Orange für „verdächtig“ – man kann also davon ausgehen, dass das Werk im Nationalsozialismus nicht rechtmäßig erworben wurde. Bestätigt wird dies mit Rot: Das Werk ist „belastet“.

Daran wird seit 2020 systematisch im Museum geforscht, vor allem von Anna Baumberger, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin den Schwerpunkt Provenienzforschung hat. Das betreffe alle Kunstwerke der Sammlung, die nach dem 30. Januar 1933 in die Sammlung gelangt und vor dem 8. Mai 1945 entstanden sind – und damit NS-Raubkunst sein könnten. 17.597 Werke seien bereits zumindest vorgeprüft worden und konnten damit einer der 4 Ampelfarben zugeordnet werden.

Alle vorgeprüften Werke zusammengenommen, also auch jene, die dem Kunst- und Museumsverein gehören, ergeben derzeit folgendes Bild: 324 Werke fallen in die Kategorie „verdächtig“, 2 (aus städtischem Besitz) gelten als belastet, heißt es in einer Pressemitteilung des Museums.

Im Mai 2026 konnten Baumberger und Museumsdirektor Roland Mönig neue Erkenntnisse veröffentlichen: So konnte die Herkunft von 8 Werken nun lückenlos nachgewiesen werden. Fündig wurde das Museumsteam dabei im Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin, in dem die historische Dokumentation der Nationalgalerie verwahrt wird.

Auf Mikrofilmrollen befinden sich neben anderen Schriftstücken Briefe von Eduard von der Heydt aus den 1920er- und 1930er-Jahren an den damaligen Direktor der Nationalgalerie, Ludwig Justi. In einem davon bietet er verschiedene Werke als Leihgaben für das Museum an. Das bedeutet, dass diese mindestens seit dem 4. März 1927 zur Sammlung des gebürtigen Elberfelder Bankiers und Kunstmäzens gehörten.

Die Werke stammen von Claude Monet, Alfred Sisley, Salvador Dalí, Gustave Courbet, Hans von Marées, Wilhelm Leibl und Maurice Denis. Einige der Werke sind derzeit in der Ausstellung „Zeiten und Räume. Klassiker der Sammlung“ zu sehen. Die Ampel unter dem Bild „Maschinensaal I“, das derzeit in der Carl-Grossberg-Ausstellung gezeigt wird, konnte ebenfalls auf Grün gestellt werden.

Noch nicht völlig geklärt ist die Frage, wann Von der Heydt 2 Werke von Amédée Ozenfant und Xaver Fuhr gekauft hat. Derzeit gehe man davon aus, dass sie ebenfalls spätestens im März 1933 erworben wurden.

Eduard von der Heydt vermachte nahezu seine komplette Sammlung europäischer Kunst 1961 dem nach seiner Familie benannten Wuppertaler Museum. Diese umfasst insgesamt 204 Gemälde sowie Grafiken, Skulpturen und kunstgewerbliche Gegenstände und einige wenige außereuropäische Objekte.

Foto: Wikimedia Commons | Eduard von der Heydt, um 1929