Die Stadt als Museum

Wer seit 2023 mit offenen Augen durch Wuppertal geht oder fährt, entdeckt sie an zahlreichen Wänden: Murals, die nach dem Motto „Von der Straße zu den Menschen“ entstanden sind

Von 2023 bis Anfang 2026 wurde gemalt, gesprayt, gepinselt. So wurde der Urbane Kunstraum Wuppertal, kurz UKW geschaffen – und damit ein riesiges Open-Air-Museum, das sich über die ganze Stadt verteilt und für alle frei zugänglich ist. Zuvor war das Team rund um Ideengeberin und Koordinatorin Valentina Manojlov durch die Quartiere gezogen, um mit den Menschen vor Ort zu sprechen.

Entstanden ist als erstes Mural jenes von Case Maclaim aus Frankfurt, das in Kooperation mit Gehörlosen an der Schlieperstraße 21 entwickelt wurde. Die Murals in der Hofaue vom Duo Medianderas aus Barcelona und Nils RVA aus Amsterdam wurden mit der Tanzschule Urban Art Complex erarbeitet. An der Brucher Straße 6 setzte Manomatic aus dem spanischen Huelva ein Mural mit dem Kindertisch Vohwinkel um. Die Wuppertaler Tafel war bei 2 Murals von Guido Palmadessa aus Berlin mit dabei, die im Rauen Werth 8 und im Kleinen Werth 46 entstanden sind.

Das Haus der Jugend Elberfeld stand Pate für das Mural von Gomad aus Sittard (Niederlande), das an der Bergstraße 65 zu sehen ist. Auch der Barmer Verschönerungsverein, die Bürgerinitiative Miteinander Füreinander Heckinghausen, die Aidshilfe, die Werkstatt Proviel, der Blinden- und Sehbehindertenverein und der Verein Aufbruch am Arrenberg haben mit ihren Gesprächen die Murals beeinflusst.

Hinzu kommen Bildungseinrichtungen wie die Bergische Universität, Institutionen wie die Evangelische Pflege Diakonie Vohwinkel sowie Unternehmen wie die Bayer AG und viele andere, die zum Gelingen des Freiluft-Museums beigetragen haben. Zu sehen sind 33 Murals, die von 31 internationalen Künstlerinnen und Künstlern entlang der Talachse erschaffen wurden.

„Wuppertal tanzt“

Teil des Urbanen Kunstraums ist die Pina-Bausch-Galerie, die unter dem Titel „Wuppertal tanzt“ steht. Diese Hommage an die Wuppertaler Choreografin setzt sich mit den internationalen Tanz-Kooperationen des Tanztheaters Wuppertal auseinander. 16 Murals sind es am Ende geworden. Dazu gehört zum Beispiel „Wiesenland“ aus dem Jahr 2000, das vom Budapester Street-Art-Künstler Fat Heat in Ronsdorf (Kurfürstenstraße 135 und 137) umgesetzt wurde.

In Langerfeld (Braunschweigstraße 7) hat sich die Künstlerin Alice Pasquini aus Rom mit dem Stück „Viktor“ beschäftigt, das 1986 uraufgeführt wurde. In Heckinghausen (Ackerstraße 18) wurde „Der Fensterputzer“ (1997) umgesetzt, und zwar von der belgischen Künstlerin Cara Toes. In der Oberbarmer Hügelstraße 7 kam El Mac aus Los Angeles zum Einsatz, um „Nur Du“ (1996) auf die Fassade zu bringen.

„Bamboo Blues“ (2007) wurde von Anpu Varkey aus Bangalore in Vohwinkel (Rembrandtstraße 5) verewigt. In Cronenberg (Hasterner Straße 2) setzte Inti aus Barcelona das Stück „Das Moss auf dem Stein“ (2009) um. Daneben gibt es 6 Porträts von Pina Bausch, die unterschiedliche Stationen ihres Lebens zeigen. Und das sind nur die Werke aus dem Jahr 2025.

Schon in der ersten Edition wurden Choreografien von Street-Art-Künstlern aus Tokio, Palermo und Lissabon umgesetzt: Am Domagkweg 46 „Ten Chi“ (2004), in der Elberfelder Straße 23 „Palermo Palermo“ (1989) und in der Kasinostraße 27 „Masurca Fogo“ (1989).

Ermöglicht haben das Open-Air-Museum vor allem Bundesmittel sowie Fördergelder der Stadtsparkasse Wuppertal, des Wuppertaler Unternehmens Knipex, der Renaissance AG und der Sparda-Bank Wuppertal. Mit dabei waren zudem viele weitere Unternehmen, die ihre Expertise zum Aufbringen der Bilder eingebracht und damit erst möglich gemacht haben.

Abbildung: Urbaner Kunstraum Wuppertal (Murals von 2023)

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