Bedrohte Glücksboten

Der Kronenkranich ist das Zootier des Jahres 2026 – eine Aktion, die vom Grünen Zoo und dem Zoo-Verein unterstützt wird, auch wenn die Art nicht mehr im Wuppertaler Zoo vertreten ist

Oftmals sind es die wenig beachteten Tiere, die zum Zootier des Jahres gewählt werden – eben weil sie aufgrund ihres Aussehens nicht unbedingt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, diese aber als bedrohte Art dringend notwendig hätten. So bekamen zum Beispiel schon die Scharnierschildkröte (2018), Krokodile (2021), Pustelschweine (2022) und Gürteltiere (2025) mehr Aufmerksamkeit als üblich.

2026 ist das etwas anders. So schreibt der Zoo-Verein Wuppertal über den Kronenkranich: „Seine elegante Erscheinung, die goldschimmernde Federkrone, der weittragende Ruf und sein anmutiger Tanz machen ihn zu einem äußerst attraktiven Botschafter“. Aber die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz (ZGAP) hätte den Vogel nicht ausgewählt, wenn er nicht zunehmenden Bedrohungen ausgesetzt wäre. Das gilt in gleichem Maße für seinen bevorzugten Lebensraum: afrikanische Feuchtgebiete und kleinbäuerliche Kulturlandschaften.

Die Tiere mit einer Flügel-Spannweite von bis zu 2 Metern leben südlich der Sahara in Afrika – und werden vielfach als Glücksboten und Wächter über die Gesundheit der Menschen und des Viehs verehrt. In Uganda ist der Kronenkranich sogar als Wappentier auf der Nationalflagge zu sehen. Sie gelten aber auch als Heuschrecken-Jäger und tragen damit dazu bei, dass Wanderheuschrecken-Schwärme nicht ganze Ernten vernichten.

Neben der Zerstörung des Lebensraums sorgen auch der verstärkte Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft, die Kollision mit Stromleitungen, illegaler Tierhandel und die Bejagung zum Verzehr oder als dekoratives Objekt für den Rückgang des Bestands. Alleine in Ostafrika gingen die Kronenkraniche in den letzten 40 Jahren um 80 Prozent zurück. In Tansania leben nur noch etwa 2.000 Vögel dieser Art.

Bei der Kampagne Zootier des Jahres engagieren sich zahlreiche zoologische Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Besucherinnen und Besucher werden über die Situation informiert und es werden Spenden gesammelt. Das Geld soll in ausgewählte Schutzprojekte in Kenia, Tansania und Burundi fließen, wo Konzepte zum Erhalt der Lebensräume und zur langfristigen Sicherung der Populationen umgesetzt würden, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Grünen Zoos und des Zoo-Vereins Wuppertal.

Dafür gibt es konkrete Pläne: So sollen ein Geländefahrzeug und Motorräder angeschafft werden, die den Projektteams Zugang zu schwer erreichbaren und weitläufigen Gebieten ermöglichen. Daneben sollen die Naturschutzbildung und eine nachhaltige Landwirtschaft gefördert werden, wobei die lokalen Gemeinden mit einbezogen würden. Dabei gelte, dass der Schutz dieser Habitate auch anderen Arten zugutekomme.

Foto: Zoo-Verein Wuppertal/Barbara Scheer