Jüdische Künstlerinnen

Das Zentrum für verfolgte Künste zeigt bis zum 26. April 2026 die Ausstellung „Manya Gutman: Blickwechsel“

Über 100 gezeichnete Porträts, ergänzt durch biografische Texte, werden in der Ausstellung „Manya Gutman: Blickwechsel“ gezeigt. Zu sehen sind dabei jüdische Künstlerinnen „im Zeitalter der Extreme“, wie es im Zentrum für verfolgte Künste heißt. Sie erzählen von deren Lebenswegen zwischen Krieg, Verfolgung und Neubeginn.

Ausgangspunkt für Manya Gutman waren 2 Ausstellungen: 2016 zeigte das Deutsche Historische Museum in Berlin „Kunst aus dem Holocaust“. Zum Jahreswechsel 2017 folgte im Jüdischen Museum in Wien „Die bessere Hälfte“. Beide veranlassten die Malerin aus München, sich auf die Spurensuche nach jüdischen Künstlerinnen zu begeben, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aktiv waren.

Zu den porträtierten gehören neben anderen zum Beispiel Sonia Delaunay, Meret Oppenheim und Gisèle Freund, die noch als die bekanntesten Künstlerinnen gelten können – auch, weil sie den 2. Weltkrieg überlebten und nach seinem Ende ihre Karrieren fortsetzen konnten.

Die ukrainisch-französische Künstlerin Delaunay (1885 bis 1979) ging zum Studium nach Deutschland und zog 1905 weiter nach Paris, wo sie ihren Mann, den französischen Maler Robert Delaunay, kennenlernte. Gemeinsam entwickelten sie den Orphismus, bei dem abstrakte Kunst, lebendige Farben und geometrische Formen zusammenkamen.

Im 2. Weltkrieg ging das Ehepaar nach Südfrankreich und schloss sich dort dem Widerstand an. Sonia Delaunay konnte nach dem Krieg an ihre Karriere im Bereich Kunst und Design anknüpfen und stellte bis zu ihrem Tod aus.

Obwohl sie Jüdin war, war für die surrealistische deutsch-schweizerische Künstlerin und Lyrikerin Meret Oppenheim (1913 bis 1985) der Nationalsozialismus und der 2. Weltkrieg nicht so ein einschneidendes Ereignis wie für andere. So lebte sie bis 1936 in Paris, dann in der Schweiz und war, abgesehen von Schaffenskrisen, immer künstlerisch tätig.

Gisèle Freund (1908 bis 2000) war eine deutsch-französische Porträt-Fotografin. Sie wuchs in Deutschland auf und studierte auch hier, ging 1931 aber nach Frankreich, um dort für ihre Doktorarbeit zu den Anfängen der Fotografie zu forschen. Als Jüdin blieb sie nach 1933 dort, schloss ihre Dissertation ab und floh 1940 über Umwege bis nach Buenos Aires. Dort arbeitete sie wie zuvor in Frankreich weiter als Porträt-Fotografin in ganz Südamerika. 1952 kehrte sie nach Paris zurück, wo sie lange weiterarbeitete und später gut von den Veröffentlichungen ihrer Bilder leben konnte.

Gutman hat aber auch die vielen weniger bekannten Künstlerinnen in den Blick genommen, etwa Dora Bromberger, Malva Schalek und Anita Rée. Bromberger gehörte zur Gedok, der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfreunde, und wurde 1942 in der Vernichtungsstätte Maly Trostinez ermordet.

Schalek hielt den Lageralltag im Konzentrationslager Theresienstadt in Zeichnungen und Aquarellen fest. Obwohl sie in Auschwitz ermordet wurde, konnten die Arbeiten in einem Versteck gerettet werden. Rée nahm sich 1933 das Leben, nachdem sie Opfer einer Hetzkampagne wurde, die ihr Werk als „undeutsch“ diffamierte.

Gutmans Projekt umfasst gut 100 gezeichnete Porträts, die in den Jahren 2019 bis 2023 entstanden sind. Die dazugehörenden Kurzbiografien wurden von Ellen Presser, Journalistin und Leiterin des Kulturzentrums der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Zentrumsleiter Jürgen Kaumkötter und der Journalistin und Autorin Henriette Schröder erstellt.

Manya Gutman: Zeichnungen von Dörthe Wolff /Abbildungen: Zentrum für verfolgte Künste/Manya Gutman