Das Erbe der Liewerfrauen

Der Förderverein Industriemuseum und die Stadt Solingen haben die Ausstellung im Lieferkontor passend zur Wandersaison wieder eröffnet

Die Liewerfrauen (Lieferfrauen) trugen einst Körbe auf dem Kopf, die mit Scherenteilen oder Messerklingen befüllt waren und bis zu 25 Kilogramm schwer sein konnten. Die Frauen brachten die Teile zu Fuß von den Schmieden zu den Härtern, von den Schleifern zu den Fabriken. Das kann heute noch auf dem Liewerfrauenweg nachvollzogen werden. Der Rundweg misst gut 15 Kilometer und verbindet das ehemalige Lieferkontor der Firma Herder mit dem Wipperkotten an der Wupper.

Eine Ausstellung im Kontor, das zum Gründer- und Technologiezentrum (GuT, Grünewalder Straße 29-31) gehört, erzählt die Geschichte dieser Arbeiterinnen, die meist Frauen und Töchter der Handwerker und Heimarbeiter waren. Zu finden ist die Ausstellung im ersten Obergeschoss des denkmalgeschützen Hauses. Schon die Liewerfrauen brachten ihre Schneidwaren dort hin – und nahmen den Arbeitslohn mit nach Hause.

Das Lieferkontor ist eines von 5 Außenstellen der Gesenkschmiede Hendrichs, des Industriemuseums Solingens des Landschaftsverbands Rheinland (LVR). Daneben sind die weiteren Außenstellen das Waschhaus Weeger Hof, die Dampfschleiferei Loos’n Maschinn, die Reiderei Lauterjung und die Schleiferei Wipperkotten.

Um das Kontor mindestens einmal im Monat öffnen zu können, arbeiten die Stadt Solingen, die die Ausstellung verantwortet, und der Förderverein des Industriemuseums in diesem Jahr erstmals zusammen. Vor allem Wanderer auf dem Liewerfrauenweg sollen dabei in der laufenden Saison, die bis Oktober geht, angesprochen werden. So kann die Ausstellung am 14. Mai, am 11. und 12. Juli sowie am 13. September besichtigt werden.

Daneben wird Lutz Peters, Stadtführer und Mitglied des Fördervereins das Kontor an weiteren Terminen von jeweils 11 bis 13 Uhr öffnen: Am 21. Juni, am 16. August und am 18. Oktober. Peters war vor seinem Ruhestand Pressesprecher der Stadt Solingen und Initiator des Liewerfrauenwegs.

Finden sich Freiwillige, könnte das Lieferkontor noch an weiteren Sonntagen geöffnet werden, hoffen Peters und sein Vorstandskollege Hartmut Lemmer. Interessierte, die sich einmal pro Saison für 2 Stunden in die Ausstellung setzen möchten, können sich beim Förderverein Industriemuseum e. V. per Mail oder per Telefon bei Peters (0212/33132345) melden.

Vorbild dafür sei der Wipperkotten, der seit langem mithilfe ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer 2-stündige Öffnungstermine zwischen April und Oktober anbieten könne, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Solingen.

Foto: Stadt Solingen