Sehen und Nicht-Sehen

Bis zum 9. August 2026 zeigt das Kunsthaus in Potsdam die Ausstellung „Oscar Murillo. Kollektive Osmose“

Der 1986 in Kolumbien geborene und heute in London lebende Künstler Oscar Murillo zeigt im Innen- und Außenraum des Kunsthauses „Das Minsk“ nicht nur neue Werke, sondern macht beides zum Schauplatz eines Experiments zu Austausch und Gemeinschaft. Denn in den Sommermonaten lädt er Besucherinnen und Besucher dazu ein, selbst an der Gestaltung eines gemeinschaftlichen Kunstwerks mitzuwirken. Darüber hinaus wird es weitere Kunstaktionen zum Mitmachen außerhalb Potsdams geben, deren Ergebnisse nach und nach zur Ausstellung hinzugefügt werden.

Bei seiner Malerei bezieht sich Murillo auf das impressionistische Werk von Claude Monet (1840 bis 1926), mit dem er sich schon länger auseinandersetzt. Das schließt auch die letzten Werke des Impressionisten ein, der an grauem Star erkrankt war, was sowohl die Farbgebung als auch Komposition seiner Gemälde veränderte.

Darin erkenne Murillo „ein Sinnbild für die konditionierten und unvollständigen Sehweisen in unserer Gesellschaft“, heißt es im Minsk. Daraus folgt für ihn, das Sehen und Nicht-Sehen in seinen Werken zu thematisieren, indem er dem Impressionismus Dunkelheit entgegensetzt.

3 Werke von Monet – aus den Serien zum Londoner Parlament, zu den Getreideschobern und zu den Seerosen in Giverny – aus dem Museum Barberini und der gemeinsamen Sammlung Hasso Plattner werden in der Ausstellung jenen von Murillo deshalb gegenübergestellt. Dazu gesellen sich schwarze Leinwände.

Die Osmose schafft, verkürzt gesagt, einen Ausgleich zwischen einer konzentrierten und einer weniger konzentrierten Lösung, sodass am Ende beide die gleiche Konsistenz haben. Bei Murillo bedeutet dies, dass die Innen- und Außenräume im Museum gleich wichtig werden, und das Kunst durchlässig für den Austausch ist – sowohl mit Menschen als auch anderen Museen. Denn, so heißt es im Minsk weiter: „Kunst ist für Murillo eine Form der Kommunikation“.

So wird in der Ausstellung zum Beispiel ein KI-generiertes Video gezeigt, in dem Zeichnungen von Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Ländern zu einem Bewegtbild zusammengefügt wurden. Auch bei der Potsdam-Ausstellung wurden Schüler von 6 Schulen der Stadt und aus Brandenburg dazu eingeladen, auf Leinwänden zu zeichnen.

Werke von Murillo werden parallel im Museum Barberini, ebenfalls in Potsdam, zu sehen sein. Darunter ist ein neues, großes Triptychon mit dem Titel „Surge (Social Cataracts)“ (Woge/gesellschaftliche Linsentrübung). Auch das wird zusammen mit Monet-Werken gezeigt. Und auch darin hinterfragt Murillo, wie der Akt des Sehens in der Malerei gelernt und umgesetzt wird.

Foto: Bergische Blätter (Oscar Murillo)