Der Wuppertaler Künstler Giuseppe Casciani hat einen neuen Katalog unter dem Titel „Spuren – tracce“ (italienisch für Spuren) herausgegeben. Darin hat er Arbeiten zusammengestellt, die eine Mischung aus Malerei sowie analoger und digitaler Fotografie sind, die er „respektlos verändert und zusammengesetzt“ hat, wie er es selbst beschreibt. So hat er zum Teil Orte erschaffen, die es gar nicht gibt – aber die auf die eine oder andere Weise hinterlassene Spuren zeigen. Das bei ihm typische, eher dunkle Werk, wird immer wieder durch Details aufgebrochen, die man aber erst erkennt, wenn man genau hinschaut. Da ist zum Beispiel eine Fotografie, die von oben einen Felsen zeigt. Das jedenfalls meint man zu erkennen – und sieht beim 2. Blick einen grünen Deckel einer Getränkeflasche und eine weggeworfene Zigarettenkippe. Beides scheint genauso zufällig dort zu liegen, wie ein zerknülltes Papier und abgefallene Blätter. Das Motiv der Untergründe setzt sich im Katalog fort – und scheint dabei immer etwas lebendiger zu werden. Das korrespondiert dann auch mit der Kapiteleinteilung von den „Spuren“ über die „Zuflucht“ bis zur „Ruhe“. Die Arbeiten wirken lebendiger, weil es mehr Blätter gibt, die zum Teil noch grün sind – und keine Abfälle. Am Ende ist es dann ein Stück Fallobst, das zwar beginnt zu verrotten, aber immerhin mit der rot-orangen Farbe echtes Leben ins Bild bringt, ergänzt durch wenige, aber grüne Grashalme. Casciani hat den Katalog mit 3 größeren Texten ergänzt, die beschreiben, was Spuren sein können und was sie tatsächlich hinterlassen. Der 2. Text beschäftigt sich mit dem Zentrum der Welt, der fast schon philosophisch anmutet („Zuflucht“). Der 3. wirkt skurril, führt aber konsequent zur „Ruhe“. Dabei drehen sich alle 3 Texte um das Dasein des Menschen, auch wenn Casciani scheinbar über etwas anderes, zum Beispiel Wespen, schreibt.
Abbildung: Giuseppe Casciani