Im Urlaub habe ich ein Buch über Informationsnetzwerke gelesen. Wie sind sie entstanden? Was haben sie bewirkt – im Guten wie im Schlechten? Und ist das vergleichbar mit heutigen Entwicklungen?
Dabei hatte ich einige Aha-Erlebnisse. Denn neue Entwicklungen hatten schon immer eine Schattenseite, was heute gerne vergessen wird. Dazu gehört zum Beispiel die Entwicklung des Buchdrucks.
Der Buchdruck gilt heute zu Recht als einer der ganz großen Meilensteine in der Entwicklung des Menschen. Nach Ansicht des Autors hatte er aber ebenfalls eine fatale Nebenwirkung: Er löste die Hexenverfolgung aus. So hatte ein Geistlicher bereits zuvor versucht, die Kirche von seiner These der satanischen – weiblichen wie männlichen – Hexen zu überzeugen, wurde aber nicht ernst genommen.
Mit dem Aufkommen des Buchdrucks erkannte er seine Chance und verbreitete seine Thesen in viel größerem Stil, als er es vorher konnte. Damit erreichte er Gleichgesinnte, die seine wirren Ideen weiter in die Welt trugen. Und die stießen auf Menschen, die angesichts von Not, Missernten und anderen Krisen nur allzu gerne einen Sündenbock suchten. Die Kirche wurde zunehmend unter Druck gesetzt – die Folgen kennen wir.
Das kommt Ihnen bekannt vor? Genau: Das erinnert mich daran, was mit dem Aufkommen der sogenannten sozialen Netzwerke geschehen ist. Was früher in Form von dümmlichen Stammtisch-Parolen in der Kneipe blieb, wird heute über die Netzwerke in die Welt getragen und so erst groß gemacht. Und Sündenböcke werden trotz aller Aufklärung heute immer noch gerne für alles Mögliche verantwortlich gemacht.
Und was lernen wir daraus? Der Blick in die Geschichte ist nicht nur spannend, sondern sollte uns immer wieder daran erinnern, was schiefgelaufen ist. Und gerade deshalb sollten wir immer kritisch bleiben und auch die andere Seite der Medaille betrachten.
NAS