Der Nachlass von Leni Riefenstahl

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz erschließt und erforscht derzeit gemeinsam mit ihren Einrichtungen Kunstbibliothek, Museum für Fotografie, Ethnologisches Museum, Staatsbibliothek und Stiftung Deutsche Kinemathek den Nachlass von Leni Riefenstahl

Über 700 Kisten mit Fotos, Filmen, Notizen, Briefen, Manuskripten und weiteren Dokumenten von Leni Riefenstahl (1902 bis 2003) wurden der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) 2018 überreicht. Das sei nicht nur eine Herausforderung in Sachen Umfang, sondern auch mit Blick auf die Inhalte, heißt es bei der SPK. Denn diese sind ethisch, rechtlich und gesellschaftspolitisch durchaus diskussions- wenn nicht manchmal sogar fragwürdig.

Derzeit werde der Bestand von mehr als 10.000 Fotografien und Filmen erforscht, die Riefenstahl in den 1960er- und 1970er-Jahren von den Nuba im Sudan anfertigte. An der Aufarbeitung war auch das Pan-Nuba-Council im Sudan beteiligt. Denn dabei sollte die Sichtweise der Angehörigen der Nuba-Gesellschaften auf Riefenstahls Werk in den Fokus gerückt werden.

Zunächst wurden alle Dias und etliche Abzüge digitalisiert, die Filme rekonstruiert und Ethnografika (also Objekte der Nuba) digital dokumentiert. Dabei sei auch eine Bilderkennungs-Software eingesetzt worden, die auf Künstlerischer Intelligenz (KI) basiere, die an der Staatsbibliothek zu Berlin entwickelt wurde, heißt es bei der SPK.

Als Riefenstahl die Aufnahmen machte, wussten die Fotografierten nicht, was mit den Bildern geschehen sollte. Heute können sie jedoch den aktuellen Nuba-Generationen zur Sichtbarmachung ihres kulturellen Erbes dienen. Denn das werde unterdrückt, die Nuba in der arabisch-muslimischen Kultur im Sudan staatlich marginalisiert.

Die Ergebnisse dieser ersten Forschung sind im Internet auf deutsch, englisch und arabisch verfügbar. Daneben wird ab dem 22. Mai 2026 eine Ausstellung mit dem Titel „Inside Archives“ im Museum für Fotografie (Jebensstraße 2) gezeigt. Dafür haben sich Studierende des Masterstudiengangs „Kunst im Kontext“ der Universität der Künste Berlin mit Riefenstahls Nuba-Fotografien und -Filmen auseinandergesetzt. Die dabei entstandenen Installationen, Video- und Fotoprojekte sowie Text- und Audio-Formate werden gemeinsam mit Arbeiten von sudanesischen Künstlerinnen und Künstlern ausgestellt. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 7. Juni.

Grundlage für Forschungen

Die Staatsbibliothek ist zudem seit 2022 dabei, Drehbücher, Manuskripte, Briefe und anderes zu digitalisieren. Das soll unter dem Projektvermerk „Nachlass Leni Riefenstahl digital“ über die Staatsbibliothek verfügbar gemacht – und damit Grundlage für Forschungen werden.

In den Blick genommen werden auch rechtliche Fragen: Was ist mit Persönlichkeitsrechten von Abgebildeten und in Briefen Genannten? Wie geht man mit verfassungsfeindlichen und anderen nicht strafrechtskonformen Inhalten des Nachlasses um?

Daneben liege auch ein Fokus darauf, den von Riefenstahl selbst kuratierten Nachlass kritisch zu durchleuchten. Denn die Fotografin und Filmemacherin legte großen Wert darauf, dass ihr Leben und Schaffen möglichst idealisiert wahrgenommen werde. Hinzu kommt, dass Riefenstahl seit den 1950er-Jahren begonnen hat, Urheberrechte bei sogenannten Standfotografien für ihre Filme zu ignorieren beziehungsweise auf sich selbst zu übertragen. Und auch die Rechtsnachfolge von Filmen, die mit Staats- oder NSDAP-Beteiligung erfolgten, sei bis heute nicht rechtlich geklärt. Deshalb sollen Handreichungen und Praxisleitfäden entstehen, die auch in anderen Fällen helfen können.

Foto: Bergische Blätter