Neue Geschichten für alte Exponate

Das Jüdische Museum Berlin zeigt bis zum 12. Oktober 2025 die Ausstellung „Inventuren. Salman Schockens Vermächtnis“

Salman Schocken (1877 bis 1959) war ein jüdischer Unternehmer, Verleger, Philanthrop und Mäzen, der auch Spuren im Jüdischen Museum Berlin hinterlassen hat. Der US-amerikanische Autor Joshua Cohen hat sich auf letztere begeben, die unter anderem Bücher aus dem Schocken-Verlag und Produkte aus Warenhäusern jüdischer Eigentümer, zu denen Schocken ebenfalls gehörte, beinhalten.

Cohen hat literarische Texte verfasst, die in der Ausstellung zu lesen und zu hören sind. Damit hat er den alten Objekten neue Geschichten gegeben. Jene gehören alle zur Sammlung des Hauses, wobei einige von ihnen erstmals zu sehen sind. Dazu gehört zum Beispiel ein Firmenschild mit dem Schriftzug „Kaufhaus Schocken“.

Doch wer war Salman Schocken? Er gründete ab der Jahrhundertwende und vor allem während der Weimarer Republik Kaufhäuser, ein Forschungsinstitut und 1931 in Berlin den Schocken-Verlag, in dem Beiträge jüdischer Autorinnen und Autoren in preiswerten Ausgaben erschienen.

Ende 1933 emigrierte er nach Palästina und erwarb dort die Tageszeitung „Ha’aretz“. Nachdem die Nationalsozialisten 1938 den Schocken-Verlag geschlossen hatten, gründete er 1940 in Tel Aviv das Schocken Publishing House. Noch im gleichen Jahr zog er jedoch weiter in die USA, wo er 1945 in New York den Verlag Schocken Books gründete.

Salman Schocken förderte Zeit seines Lebens eine Rückbesinnung auf das kulturelle jüdische Erbe. Früh organisierte er im Ausschuss für jüdische Kulturarbeit der Zionistischen Vereinigung für Deutschland (ZVfD) die Publikation erster Lesehefte. Seine Verlage in Berlin, Tel Aviv und New York publizierten jüdische Texte – Belletristik, Poesie sowie Religion und Geschichte. Neben Werken wichtiger jüdischer Autoren wie Franz Kafka, Franz Rosenzweig und Gershom Scholem waren dies Anthologien, literarische Ratgeber und Reihen für ein breites Publikum. In ihrem Umfang, der Auswahl ihrer Inhalte und der Qualität der Buchgestaltung stehen sie für einen beeindruckenden Akt des Widerstands und der jüdischen Selbstbehauptung, heißt es beim Museum.

Foto: Jüdisches Museum/Roman März (Bücher des Schocken-Verlags)