Aufnahmen von Überlebenden und Tätern

Bis zum 12. April 2026 ist im Jüdischen Museum Berlin die Ausstellung „Claude Lanzmann. Die Aufzeichnungen“ zu sehen

Der Franzose Claude Lanzmann (1925 bis 2018) war Journalist, Filmemacher und Chronist der Schoa. Zu seinem 100. Geburtstag präsentiert das Jüdische Museum Berlin eine Ausstellung, die sein Audio-Archiv zum Dokumentarfilm „Shoah“ von 1985 öffentlich zugänglich macht.

Die Aufnahmen dokumentieren die Gespräche, die Lanzmann und seine Mitarbeiterinnen Corinna Coulmas und Irena Steinfeldt-Levy in den 1970er-Jahren während einer mehrtägigen Recherche vor Beginn der Dreharbeiten führten. Zu Wort kamen Überlebende, Täter und andere. Was dabei berichtet wurde, prägte international die Wahrnehmung des Massenmords an den europäischen Juden. Dabei ist der Film „Shoah“ fast 10 Stunden lang und enthält kein historisches Bildmaterial.

Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung erwartet ein Einblick in das vielschichtige Erinnern an die Schoa in den 1970er-Jahren. Mithilfe von Kopfhörern können sich die Besuchenden in unterschiedliche Themenschwerpunkte vertiefen. Dazu gehören neben anderem die Gespräche mit den Zeitzeugen, spezifische Aspekte der Schoa und Informationen zum Film. Dabei laufen auf Monitoren Transkriptionen und Übersetzungen aus den unterschiedlichsten Sprachen mit, in denen die Gespräche geführt wurden. Auch die Hintergrundgeräusche kann man nach wie vor hören.

Die Ausstellung selbst sei „visuell zurückhaltend“ gestaltet, wie es im Museum heißt, um das genaue Zuhören zu fördern. Originaldokumente aus dem Privatarchiv von Claude Lanzmann, ein Videointerview mit Lanzmanns Mitarbeiterinnen sowie weitere Dokumente und Filmaufnahmen sollen jedoch helfen, die Audioaufnahmen einzuordnen.

Ende 2021 schenkte der französische Verein Association Claude et Felix Lanzmann dem Jüdischen Museum das Audio-Archiv, das nun die Sammlung Lanzmann bildet. 2022 kamen noch einmal weitere Kassetten hinzu, sodass dem Museum ingesamt mehr als 220 Stunden Tonmaterial zur Verfügung steht. Die insgesamt 152 Audiokassetten sind inzwischen digitalisiert und die Audiomitschnitte transkribiert. Beides – der Film und die Sammlung – zählen seit 2023 zum Unseco-Weltkulturerbe.

Für alle, die nicht nach Berlin kommen, hat das Jüdische Museum wieder ein weiteres Angebot: Es gibt eine Online-Edition mit ersten Aufnahmen mit deutschen und englischen Übersetzungen, die bis Ende 2027 ausgeweitet werden soll.

Foto: Bergische Blätter