Natur im Spiegel der Jahrhunderte
Bis zum 7. Juni 2026 zeigt das Deutsche Historische Museum die Ausstellung „Glaube – Biologie – Macht“, in der es um die Natur und die Deutsche Geschichte geht
Was ist gemeint, wenn von „Natur“ die Rede ist? Genau diese Frage will das Deutsche Historische Museum beantworten – und gibt dabei ganz unterschiedliche Antworten, die von Zeit, Glaube, Biologie und Macht beeinflusst wurden. Dabei werden 800 Jahre in den Blick genommen.
Den Ausgangspunkt bildet die Äbtissin und Benediktinerin Hildegard von Bingen im 12. Jahrhundert. Die Schau geht dabei bis zu den Naturkonzepten im geteilten Deutschland sowie der Umweltpolitik und der frühen Anti-Atomkraft-Bewegung in den 1970er-Jahren.
Unterteilt ist sie in 5 chronologisch angeordnete Themenräume. Historische Ereignisse oder Entwicklungen werden jeweils mit einem Tier oder einer Pflanze eingeleitet. Stationen sind unter anderem Kulturlandschaften im Mittelalter, die Verwüstungen, die aus dem 30-jährigen Krieg stammen, der Mythos „Deutscher Wald“ des 19. Jahrhunderts und der Tagebau in der Lausitz zu DDR-Zeiten.
Gezeigt wird zum Beispiel, wie im Spätmittelalter erfolgreich auf begrenzte Fischbestände im Bodensee reagiert wurde. Veranschaulicht wird der Glaube an göttliche Gesetze, die Missernten und Seuchen meinten. Mit der industriellen Revolution entstanden auch erste Einrichtungen zum Schutz bedrohter Natur. Auch die Einrichtung des ersten Kindergartens 1840 durch den Pädagogen Friedrich Fröbel wird in den Blick genommen. Weil er glaubte, dass die Natur die beste Lehrmeisterin für ein friedliches Miteinander sei, wurde die Kleinkindererziehung jedoch als zu revolutionär und atheistisch verboten. Und auch der Bezug zwischen den „Nürnberger Gesetzen“, die Jüdinnen und Juden systematisch ihre Rechte entzogen, und dem „Reichsnaturschutzgesetz“ werden aufgezeigt.
Erzählt wird das mithilfe von Gemälden, Globen, Karten, Büchern, Modellen, Präparaten, Fotografien und Filmen. Dabei stehen die sich verändernden Vorstellungen im Mittelpunkt. Neu ist, dass die Schau erstmals nachhaltig ist, indem möglichst viele Materialien aus früheren Ausstellungen wiederverwendet wurden. Daneben stammen die meisten Objekte aus der eigenen Sammlung. Transporte von Leihgaben wurden zudem gebündelt.
Zur Ausstellung ist ein Katalog mit wissenschaftlichen Beiträgen, Interviews mit Historikerinnen und Historikern sowie historischen Rezepten erschienen. Und auch das digitale Format „More Story“ gibt es wieder: Dort gibt es ausführliche Hintergrundinterviews und Informationen.
Foto: Bergische Blätter