Ein Republikaner und Demokrat

Ein weiterer Impressionist wird im Wuppertaler Museum vorgestellt. Diesmal liegt der Focus auf der politischen Seite der Kunst.

Eigentlich wurden die großen Impressionisten alle in Wuppertal gezeigt. Doch in der Reihe von Claude Monde, Auguste Renoir und den anderen fehlte immer noch einer: Edouard Manet (1832 bis 1883). Der sollte auch gleich nach Monet ausgestellt werden, doch Museumsdirektor Gerhard Finckh scheiterte nach eigener Aussage recht schnell daran, überhaupt Werke nach Wuppertal zu bekommen. 2015 kam dann ein Anruf von Heinz-Olof Brennscheidt, der Geld seiner gleichnamigen Stiftung bereitstellen wollte, um doch noch die Manet-Ausstellung zu ermöglichen. Im Oktober 2017 konnte sie eröffnet werden – und ist noch bis zum 25. Februar 2018 zu sehen.

Zuletzt wurde der Franzose 2016 in Hamburg mit 45 Arbeiten gezeigt, davor 2002 in Stuttgart ebenfalls mit 45 Werken. Und die hat auch Finckh zusammenbekommen. Kombiniert werden diese mit Werken von Künstlern in Manets Umfeld, die heute zum Teil völlig unbekannt sind. Das soll laut Finckh zeigen, wie sehr er in ein Netzwerk eingebettet war – aber auch, wie sehr er daraus heraussticht und eben nicht zu den Vergessenen zählt.

Inhaltlich gehörte er zu den Impressionisten, mit denen er auch befreundet war. An ihren Ausstellungen wollte er sich jedoch nicht beteiligen. Ein Grund war laut Museumsdirektor sicherlich, dass er dabei nicht die große Masse erreichen würde, die zu den offiziellen Ausstellungen der Akademie der Schönen Künste – den Salons – strömten.

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Denn im Mittelpunkt der Ausstellung soll Manet als Sohn eines (Groß-)Bürgerhaushaltes stehen, der seine Kunst als Bürger, Republikaner und Demokrat malte – und sie auch für genau jene malen wollte. Er wollte mit seiner Kunst bürgerliche Freiheiten und Rechte zeigen und für das Bürgertum werben. Sein Credo: „Man muss ein Kind seiner Zeit sein und das machen, was man sieht.“ Dementsprechend malte er aus seiner Sicht nur die Wahrheit – auch wenn das viele anders sahen und seine Bilder nicht selten Skandale auslösten. Seine Briefbögen zierte zum Beispiel die französische Flagge mit der Aufschrift „Vive la République!“.

Doch seine Bewerbungen für den Salon wurden oftmals abgelehnt, kamen dabei doch eher die staatstreuen Künstler zum Zuge. Ganze elf Mal wurde er zurückgewiesen – aber er nahm auch 14 Mal am Salon teil, bei dem insgesamt 26 Bilder zwischen 1861 und 1882 gezeigt wurden. Das passierte oftmals auch gleichzeitig: Während ein Bild abgelehnt wurde, durfte er ein anderes zeigen. An der Weltausstellung 1867 in Paris durfte er dann aber auch nicht teilnehmen, obwohl dort Salon-Maler vertreten waren. Um aber dennoch wahrgenommen zu werden, organisierte er eine eigene Ausstellung seiner Bilder in der Nähe. Ironie des Schicksals: Erst bei der Weltausstellung 1889 nach seinem Tod wurden 15 Werke von ihm gezeigt.

Doch was malt ein demokratischer Künstler? Zum Beispiel die Erschießung des mexikanischen Kaisers Maximilian I. 1867, der als Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph von Österreich (1832 bis 1867) geboren wurde und von Napoleon III. anstelle des rechtmäßigen mexikanischen Präsidenten Benito Juárez und gegen den Willen des Volkes eingesetzt wurde. Nach der blutigen Verteidigung seiner Krone musste er sich auf Druck der USA jedoch geschlagen geben und wurde von einem Kriegsgericht gemeinsam mit zwei seiner Generäle zum Tode verurteilt.

Abbildung: Musee des Beaux-Arts, Tournai/Bridgeman Images (Edouard Manet: „Beim père Lathuille“ von 1879)

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